Sonntag, 6. Juni 2010

Samstagsfrühstück

Gabriele Planthaber
Samstag  Morgen, die Sonne scheint, ich muss nicht arbeiten, Herr Nilsson ist da, alles ist gut, was gibt es da Schöneres, als draußen zu frühstücken?
Also gehen wir ins Lieblingscafé am Platze, mit Tischen mitten in der Fußgängerzone. Erst überlegen wir, ob wir uns noch eine Gala mit raus nehmen, aber irgendwie reicht uns das städtische Schaulaufen.
Wir bestellen Milchkaffee und Rührei und Bagel und ein Croissant.
Neben uns nimmt ein weiteres Paar Platz, sie Anfang 40, er älter, mit einem Hund. Sie hat schäbigen Glitzer auf den nackten, gänsehautigen Armen, er eine verwegene Sonnenbrille auf.
Der Hund ist nett und lässt sich hinter'm Ohr kraulen. Unser Essen kommt, der verwegene Mann sagt: Was haben Sie da? Ich: ??? Rührei. Er: Ach so.
Stille. Wir essen. Zwei Minuten später sagt sie: Ist das ganz normales Rührei? Oder mit Speck?
Ich: Nee, ganz normal.
Wir essen weiter. 2 Minuten später sagt er: Entschuldigung, was würden Sie dann dazu empfehlen? Ich: Bitte? Er: Na zu dem Rührei! Ich: Keine Ahnung, ich weiß ja nicht, was Sie mögen. Also, wir haben einen Bagel und ein einfaches Brötchen. Herr Nilsson: Und ein Weltmeister. Sie: Ach, ist das ein extra Fußballbrötchen? Herr Nilsson: Äh, nee! Der verwegene Mann: Wie schmeckt denn ein Ciabattadreieck? Ich in Gedanken: HALLO!!! Ich will hier nur in Ruhe essen! sage freundlich: Das weiß ich nicht, hatte ich noch nie.
Die Kellnerin kommt, sie geben ihre Bestellung auf (Rührei mit und ohne Speck (nach einer längeren Diskussion, ob man vielleicht noch Räucherlachs nehmen sollte und Ciabattadreieck)).
Nach 5 Minuten (!) ist das Essen noch nicht da, das Paar am Nebentisch wird ungeduldig, fragt die Kellnerin, wo denn das Essen bliebe? Sie sagt: Ja, wird halt alles frisch gemacht, müssen sich eben noch ein wenig gedulden...
Das Essen kommt, sie essen, nach 5 Minuten sagt er zu mir: Wissen Sie, wie lang die Fußgängerzone insgesamt ist?
Ich: Nee, tut mir leid. denke: MAHANN!!
Nachdem wir dann noch eine halbe Stunde ihr Gespräch belauscht angehört haben (also, wenn ICH Geld hätte, ICH würde mir ja niemals einen BMW kaufen!) und uns anhören mussten, wie sie ständig zu dem armen Hund PLATZ sagten (obwohl der ganz friedlich unter'm Tisch lag und sich keinen Deut für die Umwelt interessiert hat) und bei jedem Vierbeiner hysterisch riefen: Da kommt ein Hund, da kommt ein Hund...Sind wir gegangen! Meine Herren!!

Kommentare:

  1. oh weh - manchmal können einem Mitmenschen am nachbartisch wirklich das ganze essen vermiesen... Aber wenn man zu zweit ist, kann man ja auch ein bisschen lästern ;-)

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  2. Oh ja, das haben wir dann auch gemacht! Sogar mit der Kellnerin! :-)

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